Mensch Papa!

Ein Bericht von Björn Berger

Inspiriert wurde ich durch den Kindertrainerlehrgang jetzt, weil ich das so cool fand und ich denke, das einige Papas und Trainer in dem Bereich noch ganz viel lernen könnten. Gerade die Eltern sollten tatsächlich mal eine Schulung zum Thema Kinderfussball erhalten, dann wäre vieles einfacher.

Mensch Papa!

„Mensch Papa, Mensch Trainer, ich werd‘ nicht schneller dadurch das du mir die ganze Zeit zurufst: schneller schneller, nach vorne, Hop Hop. Hat dir außerdem schon mal jemand gesagt, dass ich den Ball vielleicht gerade gar nicht abspielen möchte oder noch gar nicht die Fähigkeiten habe den Ball mit einem perfekten Innenseitstoß an den Mitspieler abzuspielen? Da ändert auch dein ständiges „Spielen, Spielen“ rein rufen nichts dran.

Vor dem Spiel sagst du mir immer was ich tun muss. Abspielen, Tore verhindern, hinten sein, vorne spielen, möglichst viele Tore schießen, nur auf meine eigene Leistung achten. Junge, sagst du, ihr dürft das Spiel heute nicht verlieren.“

Es ist ca. halb 8 Samstag morgens und der Junge ist gerade damit beschäftigt seine über der Woche stolz erworbenen, getauschten und erspielten, neuen Fußballkarten in seinen Sammelordner zu schieben, während Papa ihm gerade weitreichende, detaillierte und vor Fachwissen strotzende Instruktionen zum in 2 Stunden beginnenden Bambini (F oder E-Jugend usw. austauschbar) Einhämmert.

„Papa, ja, ja, Papa.“ Eigentlich will der Junge nur Fußball spielen und mit seinen Jungs eine gute Zeit auf dem Platz verbringen. Tore verhindern, Tore schießen, Dribbeln und Tricks machen. Aber es ist irgendwie wie immer Samstags vor einem Spiel. Kribbeln im Bauch, angespannt sein, schlecht ist ihm auch schon mal. Angst. Angst den Papa (oder in manchen Fällen auch den Trainer) zu enttäuschen, Angst was falsch zu machen. So richtig freuen kann sich der Junge nicht, wird ein verlorenes Fußballspiel doch mit einer extra harten, disziplinierten und monotonen Trainingswoche begegnet.

„Wenn wir verloren haben, dann weine ich schon mal nach dem Spiel und rege mich auf. Wir sind schlecht denke ich dann und ich kann nicht glücklich sein. Was Papa jetzt gleich im Auto auf dem Weg nach Hause wohl wieder zu mir sagt? Das falsch gemacht und jenes, nicht genügend Härte, schlechte Pässe, gar keine Pässe.“

Doch es gibt die Momente, wo der Junge das alles vergessen kann, wo er einfach mit Freude, Spaß, Motivation einfach frei spielen kann. Da sind zum einen die Pausen aufm dem Schulhof, natürlich nur mit Plastikbällen statt mit tollen handballgroßen Derbystar-Bällen, aber das ist dem Jungen total egal, denn er will einfach nur Fußball spielen. Oder wenn er sich mit seinen Freunden nach der Schule mal auf dem Bolzplatz trifft oder selbst im heimischen Wohnzimmer, Flur oder Kinderzimmer.

„Aber Hauptsache der Papa (oder Trainer) ist nicht dabei.“

Denn der schafft es sicher, auch dort was zu kritisieren, was der Junge besser machen könnte.

„Ich habe dich lieb, aber lass mich doch einfach nur Fußball spielen und Spaß haben.“

 

red/bb